Wilhelmshaven von A - Z

Mein kleines Meisterwerk!

Meine Autobiographie, Teil 1, erschienen 2010 bei Edition Temmen, Bremen, 256 Seiten. Der Klappentext lautet wie folgt: Wilhelmshaven in den 50er und 60er Jahren. Das Dritte Reich ist zwar Geschichte, aber Hitler ist noch in aller Munde. Im ‚Bertelmann Volkslexikon‘ wird vor den Folgen ausgelebter Sexualität gewarnt – aber die Pubertät trotzt allen Gefahren. Nur Hochwasser wird gefürchtet – wenn es die eigenen Hosen betrifft. Axel Bruns hat ein Lexikon seiner Kindheit und Jugend geschrieben. Von Abenteuerroman bis Zentrifugalaschenbecher. Provokant. Politisch unkorrekt. Alphabetisch.

Eines meiner Lieblingsbücher! Es begann mit einem Geburtstagsgeschenk für einen Jugendfreund, der wie ich nach Berlin gegangen war. Das Kuriose daran war, dass wir sehr gute Gründe gehabt hatte, die Heimatstadt zu verlassen. Alles viel zu eng, die Leute spießig. Berufliche Aussichten eher düster. Bloß weg da! Doch jedes Mal, wenn wir uns trafen, waren wir spätestens nach fünf Minuten bei unserem Lieblingsthema: Der Jugend an der Nordseeküste! Es war wie ein Zwang! Unsere Freundinnen verdrehten die Augen: Jetzt geht das schon wieder los! Aber wir konnten einfach nicht anders. Egal ob Idioten-Dreieck oder Schule, Fußballgeschichten oder Stranderlebnisse. Alles wurde durchgehechelt.

 

Präsentation des Buches in Gegenwart von Kulturstadtrat Graul

1996 zog ich nach Myanmar, wo ich heute noch lebe. Doch seltsam: Trotzdem ich Wilhelmshaven in meiner Jugend fast hasste, blieb es immer in meinem Herzen! Und so begann ich, zehntausend Kilometer von der Heimat entfernt, zu sammeln: Zeitungsausschnitte, Bücher – nichts war vor meinem Zugriff sicher, so lange es sich nur mit Wilhelmshaven oder meiner Jugend dort beschäftige. Und das Ergebnis langjähriger Recherchen war: Eine Liebeserklärung an meine Heimatstadt! Mit den Jahren wird man milde! War wirklich alles so schlecht? Dann kamen Erinnerungen an eine tolle Jugend in einer Stadt mit vielen Kneipen, Diskotheken und Erholungsmöglichkeiten. In der man viel Spaß haben konnte.

Als mein Freund 1999 seinen 50. Geburtstag feierte, schrieb ich den ganzen Quatsch mal zusammen und machte ein fotokopiertes Buch daraus. Der Hit auf der Geburtstagsparty! Es sprach sich herum und ab und zu fragte mal jemand an, ob er ein Exemplar bekommen könnte. Dann machte ich eine Kopie. Irgendwann besuchte mich ein Jugendfreund in meiner Wahlheimat Burma/Myanmar. Er sah das Buch und sagte: „Das musst du veröffentlichen!“. „Ach, wie soll das denn gehen? Ich sitze hier hin Burma und die Leute, die es interessiert, in Wilhelmshaven!“. „Lass das meine Sorge sein!“ sagte er. Und so setzte ich mich hin und schrieb eine erweiterte Version des Buches. Fertigte Kopien davon an und schickte sie an den Freund, der einen großen Bekanntenkreis hatte. Er verkaufte mehrere Hundert Exemplare direkt aus dem Kofferraum seines Autos. Unglaublich! Irgendwann bekam ich eine E-Mail vom Kulturdezernenten meiner Heimatstadt: Ob ich noch Exemplare hätte? Er wolle zwei bestellen. Wir vereinbarten, dass ich ihm bei meinem nächsten Besuch in der Stadt zwei Exemplare mitbringen würde. Der (inzwischen leider verstorbene) Mann war völlig begeistert von dem Buch. Das sei kein Joke, wie ich vielleicht glaubte, sondern eine ‚Oral History der Stadt aus der Sicht eines Arbeiterkindes‘! Erstaunlich! Dann fragte er mich, ob ich nicht ein richtiges Buch daraus machen wolle. Gebunden, mit vielen Fotos. Er würde mir unbegrenzten Zugang zum Stadtarchiv gewähren. Die Bilder könne ich kostenlos für das Buch benutzen. Zudem würde die Stadt sich finanziell beteiligen. Da sagte ich nicht nein! Dann begann die Suche nach einem Verlag. Schließlich wurde ich

fündig. Horst Temmen aus Bremen, Inhaber der Edition Temmen, war interessiert. Und warum? Weil es so herrlich bescheuert sei, sagte er! Wir vereinbarten, dass ich ihm einen Teil der Auflage abkaufen würde. Was auch geschah. Horst wohnte zeitweise in Bangkok und wir wurden gute Freunde. Er machte ein richtig schönes Buch daraus, das ich immer wieder gern in die Hand nehme. Wie sagte meine Mutter immer? ‚Wenn die Glocken der Erinnerung läuten, wird es Sonntag im Herzen!‘ Stimmt offenbar … Das Buch erwies sich als der Knüller und lag lange Zeit unter den Top Ten der Hitliste des lokalen Buchhandels meiner Heimatstadt. Es kostete anfangs 24.90 Euro und als der Verkauf stockte, setzte Horst den Preis auf sage und schreibe 10 Euro herunter. Das half. Sehr schnell war der Rest verkauft und heute ist das Buch nicht mehr erhältlich. Ihr wollt noch mehr wissen? Kein Problem! Ich habe noch ein paar Exemplare, die ich gern verkaufe. Stückpreis 20 Euro. Plus Porto.

Das Buch ist in Form eines Lexikons geschrieben. Im Text finden sich viele unterstrichene Worte und Begriffe. Sie führen zu Passagen aus meinem Buch. Hier ein kurzer Abriss (von A-Z): Abenteuerromane und andere ‚Schundliteratur‘ las ich schon in der Volksschule für mein Leben gern. Im Stadtviertel der berüchtigten Banter Briten wurde ich geboren, war aber nie wirklich einer von denen. Von einem Umzug nach Berlin habe ich geträumt, seitdem ich zwölf Jahre alt war. Das Bertelsmann Volkslexikon war eines der wenigen Bücher im Haus der Bruns-Familie und galt für mich lange als quasi-amtlich. Auf der Freiherr-vom-Stein-Realschule verbrachte ich fünf Jahre. Unsere Lehrer erzählen gern und lange von der Hitlerzeit. 1965 wurde ich dort unehrenhaft entlassen. Bereits als Fünfzehnjähriger frequentierte ich das regelmäßig das Idioten-Dreieck und es dauerte nicht lange, bis ich meine erste Freundin kennenlernte, mit der es zum Geschlechtsakt kam. Allerdings trieb ich mich auch gern im Kaffee Brandt, dem Treffpunkt der Gammler und Exis und in Diskotheken herum. Über diverse  Umwege schaffte ich die Mittlere Reife und begann eine dreitägige Lehre bei M.F. Tapken. Ein Jahr bei Fritzen Kraftverkehr folgte. 1969 machte ich meinen Traum von Berlin wahr. Beim Jadedienst am  Südstrand verdiente ich mir das nötige Kleingeld für den Umzug und im Mai 1969 sagte ich Wilhelmshaven endgültig ade!