Bucket-List-Tour 2025

Auf der Via Dolorosa, Jerusalem

Fast jeder Mensch setzt sich Ziele im Leben, aber nicht alle erreichen sie. Was für mich nicht zutrifft. In der Regel schaffe ich das, was ich mir vorgenommen habe. Studium, Promotion, soundso viele Sprachen lernen, Bücher schreiben, eine bestimmte Anzahl Bettgefährtinnen, Nachwuchs in die Welt setzen – alles erledigt.

Reisen ist seit 50 Jahren meine Leidenschaft. Und auch hier habe ich mir Ziele gesetzt: Ich möchte gern hundert Länder bereist haben, bevor ich den Löffel abgebe! Oder – wie die Amerikaner sagen – „kick the bucket“. Was bedeutet das? Nun, wenn jemand Selbstmord begehen will (was mir fernliegt!), legt er sich einen Strick um den Hals, den er an einem Haken an der Decke oder sonstwo befestigt. Dann steigt er auf einen Eimer (besagten Bucket) und wenn er bereit ist, tritt er den weg und – voilà!

Ich hatte es bis zu meinem 75. Geburtstag auf ebenso viele Länder gebracht (reiner Zufall). Darunter so illustre Destinationen wie Afghanistan (davon schwärme ich heute noch), Bhutan (unbedingt sehenswert) oder Bangladesh (weniger sehenswert). Und es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens mir in dieser Hinsicht sehr entgegenkam. Doch Gevatter Tod schlägt mittlerweile heftige Breschen in meinen Freundes- und Bekanntenkreis und daher sagte ich mir, dass ich jetzt langsam ernst machen müsse, da ich sonst mglw. mein Ziel verfehle. Und so wandelte ich auf den Spuren Jesu Christi und Stalins durch Osteuropa.   

Joe & ich, Stalin-Museum, Gori, Georgien ...

Mitte April d. J. machte ich mich auf die Reise. Natürlich macht man sich vorher so seine Gedanken. Ich bin ja keine 30 mehr. Habe ich noch den ‚Biss‘, bin ich noch ’street smart‘ genug? Ich flog von Bangkok nach Istanbul und von dort weiter in die türkische Republik Nordzypern. Dann in den griechischen Süden (EU-Mitglied!) und anschließend nach Jerusalem inkl. ein Abstecher in die Westbank. Weiter ging es nach Armenien und Georgien, anschließend zurück nach Istanbul. Dort bestieg ich den Zug nach Sofia (Bulgarien) und fuhr anschließend weiter per Bahn nach Bukarest (Rumänien). 

Es folgte der eisenbahnmäßige Höhepunkt der Reise, die Fahrt mit dem legendären „Freundschaftsexpress‘ nach Chișinău (Moldawien). Der Hammer! Dann machte ich rüber nach Transnistrien, einer abtrünnigen, aber faktisch unabhängigen Provinz Moldawiens. Ein echtes Highlight! Weiter ging es nach Odessa (Ukraine). Dann zurück nach Chișinău und von dort aus Flug nach Berlin. Damit kam ich dann schon auf 86 Länder! Und die Frage nach dem ‚Biss‘ war beantwortet: Ich habe ihn noch! Glücklicherweise!