Von der Hagia Sophia nach Sofia

Alexander-Newski-Kathedrale, Sofia

Ich hatte mir ein Einzelabteil im Istanbul-Sofia-Express (75 Euro) gegönnt, war o. K. Leider konnte ich nicht durchschlafen, weil alle Passagiere an der Grenzstation Kapitan Andreewo-Kapıkule zur Passkontrolle raus mussten. Die Szenerie erinnerte mich sehr an die Passkontrolle in Griebnitzsee zu DDR-Zeiten. Am Morgen des 5. Mai kam ich in der bulgarischen Hauptstadt Sofia an – mittlerweile das siebte neue Land meiner Reise, wenn man die Türkische Republik Nordzypern und Palästina dazuzählt. Was ich natürlich tue, like it or not. Ich könnte mein Ziel von hundert Ländern auch kaum erreichen, wenn nicht die Sowjetunion und Jugoslawien zerbrochen wären. Am Bahnhof besorgte ich mir erst einmal Geld (1 Euro = 2 Lewa und 13 Stotinki) und kaufte mir ein Ticket nach Bukarest. Die Bahnangestellten waren durch die Bank sehr unfreundlich, wohl ein Erbe der sozialistischen Zeit. Dann entledigte ich mich meines Koffers und machte mich auf den Weg zu meinem Hotel, dem Kniaz Boris. 

Nachts in Kapikule
Wohnklo im Hotel
Die Metro in Sofia
Emil Danailov & ich

Ich ging zu Fuß, weil ich darauf hoffte, unterwegs einen Kaffee trinken und – vor allem – im Internet surfen zu können, da ich am Bahnhof keine SIM-Card bekommen hatte. Ich fand ein nettes Hotelcafé, in dem ich mir einen Cappuccino bestellte und mein Babe anrief. Das Haus verfügte über eine bemerkenswerte Unisex-Toilette: Darin standen ein Polstersessel und ein Regal. Auch Blumen fehlten nicht. Mit anderen Worten, man konnte es sich dort richtig gemütlich machen. Ich fragte mich, ob es Leute gäbe, die zu zweit dorthin gingen und plauschten, während einer von ihnen sein Geschäft verrichtete. Wozu das Regal diente, blieb unklar.  Aber wer weiß? Vielleicht herrschten in Bulgarien andere Sitten. 

Mein Hotel lag direkt an einer Stadtautobahn, war aber trotzdem ruhig. Ich kaufte mir eine SIM-Card und ließ meine bei dem Sturz beschädigte Hose reparieren. Ansonsten ruhte ich mich von meinem Sturz aus. Das Kniaz Boris ist ein seltsames Hotel. Ich hatte den Eindruck, dass die Kundschaft überwiegend aus Dauergästen bestand. Ein älterer Mann, der immer in der Lobby saß, erinnerte mich stark an Hector Salamanca aus der Serie ‚Breakin‘ Bad‘. Als ich einmal unerlaubterweise hinter die nicht besetzte Rezeption ging, um mir einen Löffel zu holen, klopfte er heftig mit seinem Stock auf den Fußboden und starrte mich unfreundlich an. Ein seltsamer Vogel, der aber gut dort hinpasste.

In der Kathedrale I
In der Kathedrale II
Die Universität von Sofia

Ich hatte mir vorgenommen, das Rila-Kloster in der Nähe von Sofia zu besuchen, aber irgendwie klappte das leider nicht. Der von Tripadvisor angegebene Bus existiert offenbar gar nicht. Sei’s drum, ich vertrieb mir die Zeit in der Altstadt, schaute mir die Alexander-Newsky-Kathedrale an und ging früh schlafen, weil mein Zug nach Russe/Bukarest morgens um 7 abfuhr. Seltsamerweise war die Kathedrale nach einem Russen benannt, Alexander Nevsky, dem Helder der Schlacht gegen den Deutschen Orden auf dem Peipus-See (1242). Er ist auch ein Heiliger der Orthodoxen Kirche, vielleicht liegt es daran … Die Bulgaren haben ein gespaltenes Verhältnis zu den Russen. Auf der einen Seite haben die das Land von der türkischen Herrschaft befreit, auf der anderen Seite ist die – nicht so positive – Erinnerung an die kommunistische Zeit noch nicht verblasst. 

Auch in Sofia gibt es eine Metro. Allerdings war der Fahrkartenschalter morgens um 5.30 Uhr noch nicht besetzt, sodass ich schwarzfahren musste. War aber nur eine Station. Am Bahnhof holte ich meinen Koffer ab und versuchte herauszufinden, wo der Zug nach Bukarest abfuhr. Was mir die fette Angestellte hinter dem Schalter partout nicht verraten wollte. Schließlich traf ich einen hilfsbereiten jungen Mann, der mir verriet, dass der Zug vom Bahnsteig Nr. 13 a abfuhr. Er begleitete mich sogar dorthin, da er auch mit dem Zug fahren wollte. Es dauerte nicht lange, bis sich ein weiterer Mann hinzugesellte, ein gewisser Emil Danailov, seines Zeichens Reisejournalist, der auch nach Bukarest wollte. Mir fiel ein Stein vom Herzen! Emil war sogar schon mal in Burma gewesen und sprach sehr gut Englisch. Da hatten wir natürlich Gesprächsstoff für die nächsten 

Stunden. Pünktlich zur angegebenen Zeit hielt eine S-Bahn an unserem Bahnsteig. Das konnte ja unmöglich mein Zug sein! Aber meine Mitreisenden überzeugten mich und ich stieg ein. Auch teilten sie mir mit, dass mein Zug nur bis zur rumänischen Grenze in Russe fuhr. Die S-Bahn fuhr ein paar Stationen und hielt dann auf einem Abstellgleis. Von dort musste ich mein schweres Gepäck über zwei Gleise schleppen, bis ich den Zug nach Russe erreichte. Dort ein riesiges Chaos. Ich hatte zwar eine Platzkarte, aber die dicke Eisenbahnerin wusste damit nichts anzufangen. So stiegen wir in den ersten Wagen und machten es uns gemütlich. Die Fahrt führte durch eine imponierende Gebirgslandschaft. Irgendwann kam die Dicke und informierte uns, dass der Zug an der nächsten Station geteilt würde. Nur der letzte Waggon würde nach Russe fahren, der Rest nach Warna. Na super! So musste ich mein schweres Gepäck durch sechs Waggons schleppen, bis ich endlich im Richtigen angekommen war. Ich war begeistert! Schließlich erreichten wir Russe, einen lebhaften Hafen an der Donau.

Am Bahnhof wartete eine weitere Vorortbahn, die uns nach Bukarest bringen sollte. Nach einer schönen Rundfahrt durch halb Rumänien erreichten wir schließlich Bukarest. Doch die Zeit verging wie im Fluge, ich und mein neuer Freund hatten uns viel zu erzählen. Er berichtete über die sozialistische Zeit und es war nicht schwer, herauszufinden, dass er damit wenig am Hut hatte. Burma war natürlich auch Thema und ich schenkte ihm ein Exemplar meines neuen Buches ‚Burmese Kaleidoscope‘.