Bukarest
… hat mich von allen Städten, die ich auf dieser Reise besucht habe, am wenigsten beeindruckt.
Nach der Ankunft in Bukarest verabschiedete ich mich von Emil. Ich deponierte meinen schweren Koffer bei der Gepäckaufbewahrung und wechselte Geld (5 Leu = 1 Euro). Dann kaufte ich mir ein Ticket für den ‚Prietiena‘ (Freundschafts-)Nachtexpress nach Chisinau (Moldawien), Preis 210 Lei für ein 1.-Klasse-Schlafwagenticket. Leider gelang es mir nicht, am Bahnhof oder in der Nähe eine SIM-card zu kaufen, sodass ich ziemlich aufgeschmissen war. Zum Glück konnte man mit etwas Fantasie vieles lesen. Rumänisch ist anscheinend so eine Art Küchenlatein, wenn ich das richtig interpretiere. Immerhin ein Fortschritt gegenüber den bisher besuchten Ländern, die ihre eigenen Schriften hatten: griechische in Zypern, hebräische in Israel, armenische in Armenien, georgische in Georgien und schließlich kyrillische in Bulgarien.
Ein Gypsy namens Alex brachte mich anschließend mit seinem Taxi zu meiner Airbnb-Unterkunft, die wir mit einiger Mühe fanden. Dort gleich die Waschmaschine angeworfen. Dann noch Stress mit der Vermieterin, die nicht kapieren wollte, dass Annette die Unterkunft für mich gebucht hatte.
Zum Glück gelang es meiner Freundin, die Sache zu klären, ansonsten hätte die Vermieterin mich womöglich mit Hilfe der Polizei rausgeschmissen. Bukarest ist erheblich größer als Sofia und am nächsten Tag fuhr ich mit der Metro ins Stadtzentrum, fotografierte ein bisschen hier, ein bisschen dort – aber nichts Besonderes. Ein paar Regierungsgebäude im Zuckerbäckerstil, ein paar moderne Bauten. Eine riesige Kathedrale, die ich mir gern angeschaut hätte, war – wohl wegen Bauarbeiten – nicht zugänglich. Sei’s drum, viel verpasst habe ich wohl eh nicht. Also zurück nach Hause. Ich bummelte noch ein bisschen durch die Umgebung, und dann erhielt ich eine Nachricht von meinem neuen Freund Emil. Er lud mich am nächsten Tag zu seinem Diavortrag an einer Universität ein. Fußläufig von meiner Bleibe aus erreichbar. Ich freute mich und sagte zu. Erstaunlich, wie hilflos man ohne Google Maps ist … Fragte mich manchmal, wie ich es vor fünfzig Jahren geschafft habe, mit Landkarten durch die halbe Welt zu ziehen.
Am nächsten Tag easy going, mein Zug nach Chisinau fuhr erst am Abend. Emils Vortrag war auf Bulgarisch, aber da ausschließlich Dias ohne große Kommentare gezeigt wurden, war es für mich unterhaltsam. Und dann ging es zum Bahnhof, wo ich der Abfahrt meines Zuges harrte.
