Die FINA-Großtankstelle am Banter Markt

Unsere FINA-Tankstelle bei Nacht
Die 'Badewanne' (Ford 17 M) meines Vaters. Im Hintergrund Foto Busse und der Schlachter
Mein Vater und unser Pudel Butzi

Die F. G. am Banter Markt wurde von der Deutschen Fina AG an meinen Vater verpachtet und damit zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Jadestadt, denn es gab keinen Autofahrer, der ‚Werkzeug-Hugo‘ nicht kannte. Die Großtankstelle trug ihren Namen zu Recht – sie hatte nicht weniger als zwei Tanksäulen. Eine für Benzin, eine für Super. Als ob das nicht schon genug wäre, gab es noch eine transportable Säule mit Zweitakter-Gemisch, die aber im Gegensatz zu den beiden anderen handbetrieben (Kinderarbeit!) war. Letztere war der Treffpunkt zahlreicher Rocker, die sich vom Pächter so manchen guten Tipp abholten: Wie befestige ich die Blu-menvase am Tank? Wo bekomme ich Weißwandreifen für Mopeds usw … Als schließlich eine Die-selsäule hinzukam, riss der Strom der Tankwagen, die zwischen der Hamburger Zentrale und Wilhelmshaven hin- und herpendelten (es gab noch eine weitere F. G. in der Gökerstraße) nicht mehr ab. Durch eine langwierige Erkrankung meines Vaters und die von seinem Stellvertreter verursachte Misswirtschaft verschlechterten sich die Geschäfte in der F. G. zusehends, sodass er aufgeben musste. Auch unter dem Nachfolger ging es mit dem Laden weiter bergab. Heute werden dort Elektronikartikel (?) verkauft, und dieser gesell-schaftliche Brennpunkt der 60er-Jahre ist völlig verwaist.

 

Unverständlicherweise wurden die Tankstellen und ihre Pächter in den 60er-Jahren generell etwas über die Schulter angesehen. Tankwart war zwar nicht gerade ein Schimpfwort, aber ein Traumberuf war es sicher auch nicht. So erinnere ich mich noch lebhaft an ein Gespräch mit einem Berliner Skatbruder namens Siegwart. „Sag mal, Siegwart, wie kommst du denn zu so einem komischen Namen?“ – „Wieso komisch, bin froh, dass ich nicht Tankwart heiße!“, sagte der – und stach mein blankes Karo-As ab! Um deren schlechten Image abzuhelfen, verfielen die Mineralölkonzerne auf verschiedene Auswege: So wurde Tankwart Lehrberuf – immerhin brauchte man nur zwei Jahre lang zu lernen, wie man Benzin einfüllt und den Kühlwasserstand prüft. Nachdem das erreicht war, kam der nächste Schritt: Die Mineralölgesellschaften suchten nach einem neuen, fetzigen Namen für ihre Bediensteten! Waren nicht ordinäre Putzfrauen zu ‚Raumpflegerinnen‘, ja mancherorts gar ‚Parkettkosmetikerinnen‘ aufgestiegen? Aus Doofschulen Sonderschulen geworden? Warum nicht auch Tankwarten einen peppigen Namen verpassen? Nach langem Hin und Her hatte ein Marketingstratege die befreiende Idee: Er schlug vor, die Angestellten nach ihrer Ölgesellschaft zu benennen. Die Mitarbeiter von FINA sollten ‚FINAlisten‘ heißen, die anderen entsprechend ‚ARAListen‘, ‚ESSOisten‘ und ‚SHELListen‘. Alle waren happy, nur BP wollte nicht mitmachen …