Das alte Hallenbad Wilhelmshaven

Im Hallenbad (1966)

Als das Hallenbad in der Kieler Straße in den 60er-Jahren eröffnet wurde, war es die Sensation. Bis dahin war es in der Jadestadt nicht möglich gewesen, im Winter zu baden. Es sei denn, man war Eisschwimmer. So ein schönes Bad hatten bis dahin nur wenige gesehen: Durch große Fenster konnte man hinausschauen und am pulsierenden Leben auf der Straße teilhaben. Für die Anwohner der Kieler Straße war es eine preiswerte Gelegenheit, sich mitten im kalten Winter Mädchen im Bikini anzuschauen.

Vor dem Gebäude war ein Riesenparkplatz, daran erinnere ich mich noch. Weiß gar nicht mehr, wie viel Eintrittsgeld damals verlangt wurde. Auf jeden Fall mehr als im Jadepissbad. Entsinne mich aber noch, dass man einen Spind bekam, in dem man seine Sachen aufbewahren konnte. Da konnte wiederum das Jadebad nicht mithalten! An der Kasse bekam man ein Armband mit dem Schlüssel für den Spind, den man beim Baden am Handgelenk trug. Wehe, der ging verloren! Da gab es richtig Ärger. Es gab sogar eine Sauna dort, aber da war ich nie drin! Und einen Friseur sowie Übungsräume für Sportler im Untergeschoss. Aus Platzgründen gab es aber keinen Zehner (wie im Marinebad), sondern nur einen Fünfer. Ging aber auch. Ebenso wie die 25-m-Bahn, die zeitweise für Veranstaltungen des WSC Wasserfreunde gesperrt wurden. Auch ein kleines Becken fehlte nicht – Nichtschwimmer wollten schließlich auch ihren Spaß haben … Es gab sogar eine Tribüne, von wo aus man Sportveranstaltungen zuschauen konnte. Modernen Schnickschnack wie Palmen hast du da allerdings vergeblich gesucht! Immerhin gab es heiße Duschen.

Die Hallenbadleitung war sehr sozial eingestellt: So wurde z. B. an jedem Mittwochabend ein ‚Badetag für Dicke‘ eingerichtet. Zu diesem Zweck wurde eigens die Hälfte des Wassers im großen Becken abgelassen (Information: Adi Floh, W’haven). In der Duschabteilung spielten sich echte Tragödien und Jagdszenen ab: Viele Jugendliche zogen es aus verschiedensten Gründen vor, beim Duschen die Badehose anzubehalten. Dies nutzte ein ordnungsliebender Angestellter des H.s aus, um seine vermeintliche Autorität zu beweisen. Als ich mal mit meinen Schulkameraden dort war und partout die Badehose beim Duschen nicht ausziehen wollte, drohte der Büttel: „Ich schwimm‘ hinter Sie her und zeige Ihnen anschließend wegen Körperverletzung an – wegen die Bakterien!“. Wir nahmen ihn auf den Arm, indem wir ‚Ganz in Weiß‘ für ihn sangen. Es gab ein schönes Café, in dem es leckere Erdbeermilch gab. Wenn ich mich recht entsinne, konnte man die Räume sogar für Feiern mieten.

 

 

Um die Jahrtausendwende zeichnete sich das Ende für das H. ab: Keiner wollte mehr in dem klinischen Bau mit dem durchdringenden Chlorgeruch schwimmen gehen – Spaßbäder und Erlebnisbäder waren gefragt! Wassertemperaturen wie in den Tropen statt der gewohnten, angenehmen 17° C! Gerade richtig für die Weicheier der jungen Generation. 2007 läutete ihm das Todesglöckchen. Zum Ende wurde jedoch noch einmal richtig geklotzt. Der Parkplatz, auf dem Generationen von Fahrschülern das Einparken und anderes geübt hatten, wurde zu einem Rummelplatz umgestaltet. Zu einer gewaltigen Abschiedsparty wurde nicht nur die Hälfte des Wassers im großen Becken (wie früher zum Badetag der Dicken)

abgelassen – nein, das ganze Wasser! Nicht weniger als tausend Besucher sollen damals dabei gewesen sein. Im Schwimmbecken wurde ein Tanzboden eingebaut, der Beckenrand mit Geländern gesichert, im Kinderschwimmbecken war eine Bar eingerichtet. Die Bands führten das Publikum musikalisch durch die vergangenen 40 Jahre, Baccara, Limahl, die Flying Soul Toasters und Haddaway – die Hits kamen wie am Fließband – unterbrochen nur vom Feuerwerk, gezündet auf dem Dach des Anbaus. Eine mit großem Aufwand programmierte, farbenfrohe Laser-Show erfreute dann wieder in der Schwimmhalle das Auge. So berichtete jedenfalls die NWZ, die es ‚Citybad‘ nannte. Nie gehört! Zu meiner Zeit hieß das schlicht und einfach Hallenbad.

Wie auch immer – der Schwanengesang des Hallenbades – gesungen von den Weltstars aus Spanien! Wahnsinn! Die beiden trotz ihres fortgeschrittenen Alters wie gewohnt leicht geschürzten Damen spulten ihr gesamtes Repertoire ab und ließen das Fest mit ihren größten Hit ausklingen: ‚Yes Sir, I can duschen! Here in Wilhelmshaven Town, I can duschen, duschi duschi, all night loooong!’ Heute steht an der Stelle ein sogenannter ‘Wohnpark‘ – was immer das sein soll. Oder bezieht sich das auf die paar Bäume, die da stehen? Traurig, traurig …