Apollo - die Genickschussbude an der Bismarckstraße
Nach dem gleichnamigen griechischen Gott benanntes, auch als ‚Genickschussbude’ bekanntes, berüchtigtes Kino an der Bismarckstraße. Ursprünglich war es ein Festsaal des Gasthauses Sedaner Hof. In dem zwischen Werft- und Jadelehstraße gelegenen Kino wurde überwiegend Wildwest-, Gangster-, Kriegs- und Horrorfilme gespielt. Erste und zweite Reihe zum Mitschießen! Nicht selten riss der Film und die Zuschauer saßen im Dunkeln – was nicht wenigen zupass kam … Der Besuch des A. kostete 50 Pf., manchmal auch einen Zahn oder ein blaues Auge, wenn man nicht zu den Stammbesuchern gehörte. In den 70er-Jahren kam es zu einem sog. Programm-Kino herunter. Ganz Sparsame begnügten sich mit einem Sperrsitz …
Unsere Eltern und Lehrer waren nicht so begeistert, wenn wir ins Apollo gingen, und so schwindelten wir manchmal, dass wir ins ADLER auf der anderen Straßenseite gingen. Ich entsinne mich daran, dass wir als Kinder immer die Verpackung des in Silberpapier eingewickelten NAPPO zu kleinen Kugeln formten und in den Lichtstrahl der Vorführmaschine warfen. Die blitzten dann hell auf – und wir waren begeistert … Froh zu sein bedurfte es wenig in dieser Zeit.
Die Auswahl fällt schwer, nachstehend trotzdem der Versuch, meine persönliche Top Ten der Apollo-Filmhitparade aufzustellen. Als Heranwachsende waren wir in erster Linien an Horrorfilmen und Cowboyfilmen interessiert. Sexszenen waren auch interessant, nur durften die nicht allzu lange dauern, sonst riefen all ganz laut: „Halbzeit!!!!“. Vor allem Jack Arnold, Der König der B-Movies‘ war sehr beliebt.
Wie zu erwarten waren unserer Lehrer und auch die Tugendwächter-Institutionen jener Zeit weniger begeistert von unseren Lieblingsfilmen. Den besten Kommentar lieferte der Evangelische Filmdienst ab: „Die geschilderten Szenen in diesem widerwärtigen Film können in ihrer verrohenden Wirkung einer Entwicklung Vorschub leisten, die wieder brutale KZ-Schläger heranbildet.“ (Satansweiber von Tittfield, s. u.)
Christopher Lee, Eddie Constantine, Jack Arnold und Klaus Kinski waren damals naturgemäß unsere Helden. Nicht zu vergessen Fuzzy und Dick & Doof. Als wir später in unserer geistigen Entwicklung fortschritten, stellten wir fest, dass Kinski nicht nur irre gucken, sondern auch sehr gut Gedichte aufsagen konnte, so z. B. von François Villon: Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!‘ Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!
Ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weißen Leib – du Weib! Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein schöner Zeitvertreib mit deinem Leib, die lange Nacht. Aaaaahaaaaahahhhh, ooorrhhhhhhhhhh – ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!’ Dieses Gedicht gab es sogar auf Platte und es erfreute sich unter den Exis so großer Beliebtheit, dass Fred Jahreiss in der Esprita die Platte immer wieder auflegen musste
